Gespräch mit Herrn Horst Ziegler, geb. am 24.04.1930 in Altdamm:

Während seiner 3-jährigen Zeit als Zwangsarbeiter musste Herr Ziegler insgesamt auf 10 Fahrten Giftgas in der Ostsee versenken; Ziegler: „ich hatte keine Schuhe, sie waren vollkommen zerfetzt. Eines Tages bekamen wir auf einmal nagelneue Arbeitsschuhe. Da ansonsten ein Stück Vieh mehr wert war als wir, wusste ich, daß irgendetwas nicht stimmte. Und richtig: wir mussten aufs Schiff und Giftgas verladen...“ Während seiner Tätigkeit wurde Herr Ziegler durch austretendes Senfgas verletzt: „ich hatte faustgroße Blattern an den Füßen und konnte kaum noch laufen“.

Amtliche Quellen beziffern die Anzahl der Fuhren, mit denen Giftgas verklappt wurde, insgesamt auf ca. 90 Fahrten; Horst Ziegler: „ich war selbst dabei und kann mit Sicherheit sagen, dass es mindestens vier mal so viele Fahrten gewesen sind.“ Über den eigentlichen Vorgang des Versenkens äußert sich Herr Ziegler: „Nach dem Verladen in Wolgast liefen wir zum Zielgebiet aus.

Dort angekommen wurde einseitig die Reling geöffnet und eine große Stahlplatte längsseits des Schiffes über die Bordwand geschoben. Von der aus wurde alles ins Wasser gekippt; Bomben, Granaten, Kisten, Fässer und auch ganze Schiffsteile; manche Bomben gingen nicht gleich unter - da war ein russisches Kriegsschiff und hat die direkt abgeschossen."

Bei den versenkten Giftstoffen handelte es sich vorwiegend um Senfgas aber auch um Tabun, Sarin, Soman sowie Clark-Kampfstoffe und nicht zuletzt auch um Zyklon-B; Ziegler: "mit Zyklon-B sind 6,5 Millionen Menschen getötet worden - und dann soll das auf einmal harmlos sein?"

Frustriert über die Ignoranz, mit der die Politiker sämtlicher Regierungen seit den 50er-Jahren bis heute
den Gefahren des Ostseegiftgases begegnen, äußert sich Ziegler heute: „es ist unglaublich, dass hochqualifizierte Menschen das angeordnet haben und KEINER sich heute dafür verantwortlich fühlt.“