Geschichte chemischer Kampfstoffe:

1899: Haager Friedenskonferenz - Deutschland, Frankreich, Österreich-Ungarn Großbritannien, Russland, Japan und weitere 21 Staaten kommen überein, den Einsatz von Geschossen zu verbieten, die einzig und allein dazu dienten, erstickende oder giftige Gase zu verbreiten.

1907: Zweite Haager Konferenz - Bestätigung der Ersten Konferenz; Erweiterung auf grundsätzliches Verbot, Gift oder vergiftete Waffen zu benutzen.

22. April 1915: Erster großflächiger Einsatz von Chlorgas durch Kaiserliche deutsche Truppen an der Front von Ypern. Mindestens 7000 Gasverwundete und 3000 Tote.

10. Juli 1917: Erster Einsatz von Diphenylchlorarsinchlorid (Clark I) der Blaukreuzklasse als "Maskenbrecher"; der anschließende Beschuß mit Phosgengranaten der Grünkreuzklasse fordert zahllose Todesopfer.

13. Juli 1917: Erster Einsatz von 2,2-Dichlordiäthylsulfid (auch Senfgas, Lost, Yperit) an der Front von Ypern.Durch den Angriff werden 2229 britische und 348 französische Soldaten verletzt, von denen 87 unter grausamen Schmerzen sterben.

17. Juni 1925: Genfer Protokoll verbietet den Gebrauch von zur Erstickung führendem oder anderem Giftgas sowie den Einsatz bakteriologischer Mittel im Kriege.

Von Lost vergiftete, teilweise erblindete brit. Soldaten im Frühjahr 1918.

1928-1939: vor allem Deutschland und Russland bereiten sich intensiv auf einen möglichen Gaskrieg vor. Die Produktion erreicht in Deutschland 1939 eine monatlicheMenge von ca. 200 Tonnen Lost. Bei Ausbruch des Krieges verfügt Deutschland über ca. 10.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe, Russland hat im selben Zeitraum vergleichbare Mengen produziert. Demgegenüber verfügte Großbritannien lediglich über ca. 500 Tonnen Senfgas, die USA, Frankreich und Italien besaßen ähnliche Lagerbestände, allerdings auch in Form von Phosgen.

3.September 1939: Auf Anfrage Großbritanniens, die selbst erklären, sich an das Pariser Abkommen so lange gebunden zu sehen, wie kein anderer Staat dieses Abkommen verletzt, antwortet Deutschland mit einer entsprechenden Erklärung.

1939-1942: Die Produktion von Giftgas steigt in den ersten Kriegsjahren bei allen beteiligten Staaten erheblich an. Großbritannien verfügt im Herbst 1941 über 11.394 Tonnen Kampfmittel. Deutschland erreicht etwa zur selben Zeit eine monatl. Produktion von bis zu 1500 Tonnen. Die gesamte Menge wird im Mai 1941 mit ca. 32.000 Tonnen angegeben.

10.Mai 1942: Churchill warnt Hitler-Deutschland vor dem Einsatz chemischer Kampfstoffe an der sowjetischen Front und stellt für diesen Fall einen umfassenden chemischen Krieg in Aussicht. In Deutschland wird daraufhin im Juli 1942 die Erhöhung der Produktionsmengen auf bis zu 3.900, bzw. sogar 7000 Tonnen monatlich für das Jahr 1943 beschlossen.

1942-1945: Deutschland beginnt mit der Produktion der neuentwickelten Kampfstoffe Tabun und Sarin.

1944 werden monatlich ca. 500 Tonnen Tabun und ca. 100 Tonnen Sarin produziert.

1947: USA, Kanada und Großbritannien schließen ein Forschungsabkommen zur Weiterentwicklung chemischer
Kampfstoffe, dem 1965 auch Australien beitritt. Die Forschungen laufen bis in die 80er-Jahre weiter.

1961-1970: Die USA griffen bei ihrer Beteiligung am Indochinakrieg auf chemische Kampfstoffe zurück. Seit 1965 wurden in Vietnam ca. 55.000 Tonnen des hochgiftigen Entlaubungsstoffes "Agent Orange" und rund 9.000 Tonnen CS-Gas eingesetzt.

1963-1967: Ägypten setzt ca. 40 verschiedene chemische Kampfstoffe im Jemen ein, wodurch etwa 1.400 Menschen sterben.

1983 -1989: Der Irak bringt im Irankonflikt ca. 3000 Tonnen chemischer Kampfstoffe zum Einsatz. In der Zeit von 1981-1991 soll der Irak ca. 4.500 Tonnen dieser Kampfstoffe produziert haben.

1972: Die UdSSR legt den Entwurf einer Konvention zur Ächtung chemischer Waffen vor. Der Abrüstungskonferenz gelang es jedoch, nach langjährigen Verhandlungen, erst 1992 den endgültigen Text vorzulegen, der schließlich 1993 von 150 Staaten ratifiziert wurde und 1997 in Kraft trat.

1995: Im Jahr 1995 besaßen die USA noch ca. 31.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe, die Staaten der ehemaligen UdSSR etwa 41.000 Tonnen. Daneben werden chemische Kampfstoffe in unbekannter Menge in China, Iran, Libyen, Vietnam, Syrien, Nordkorea, Myanmar und Israel vermutet.

2007: Bis 2007 sollen sämtliche Giftgasbestände bei den Unterzeichnerstaaten der Genfer Konvention vernichtet werden.

Schützengraben am 23. April 1915 bei Langemarck nach dem ersten Gasüberfall.

Konsequenz der Gaskriegvorbereitung: Schutzgeräte für Säuglinge und Kleinkinder

Gasalarmübungen in den Auerwerken Oranienburg 1932