Die exakte Lage ist auch heute noch weitgehend unbekannt

Der russische Wissenschaftler Porfiriev warnt: „Wenn keine wirksamen Maßnahmen ergriffen werden, könnte sich zwischen 2002 und 2015 eine große Katastrophe anbahnen“ – in dieser Zeit würden die meisten der 1945 - 1947 versenkten Granaten korrodieren.

Die größten Gefahren für den Menschen gehen jedoch von den versenkten Beständen an Senfgas, insbesondere von Zäh-Lost aus: Schon im Jahr 1954 wurde eine Senfgasbombe am Selliner Strand auf Rügen gefunden. Auf Usedom mussten in den 70er Jahren Strände kilometerlang gesperrt werden. Der Grund: Urlauber sammelten blinkende Klumpen am Strand auf und verätzten sich dabei stark. Was die Strandgutsammler für Bernstein hielten, hat sich als Senfgasklumpen entpuppt.

Vielfach bestätigt sind zudem Unfälle von Fischern mit dem aufgefischten Lost. Zum Schutz der Fischer wurden zwar Sperrgebiete für den Fischfang eingerichtet und eine Broschüre der staatlichen Fischereibehörde in Dänemark titelt mit den Worten:

„Fiskeri og krigsgas“ – Fischerei und Kriegsgas – und enthält Verhaltensmaßregeln für den Fall eines Giftfundes, doch häufen sich zunehmend die Fälle, in denen Giftgasfänge auch außerhalb der markierten Zonen auftauchen. Geschätzt wird, dass jährlich etwa zwei Tonnen an giftigen durchgerosteten Granaten und Bomben aus der Ostsee gefischt (und wieder hineingeworfen) werden.

Der unbekannte Korrosionszustand der Bomben und Granaten:

Verlässliche Aussagen über den Korrosionszustand der Behältnisse fehlen. Prognosen aus der Vergangenheit über das endgültige Durchrosten der über wiegenden Anzahl der versenkten Behältnisse haben sich bis heute nicht bestätigt. Geringe Sauerstoffgehalte und niedrige Wassertemperaturen in tieferen Lagen haben zu einer immensen Haltbarkeit der dort versenkten Behältnisse geführt. Noch im Jahr 1990 erkundete der skandinavische Toxikologe Frode Fronnum vom Norwegischen Institut für Verteidigungsforschung mit einem Mini-U-Boot einen Teil des Norwegischen Grabens etwa 30 Kilometer vor dem Hafenstädtchen Arendal. Die dort in 500 Metern Tiefe liegenden Schiffswracks und deren Ladung waren noch „gut erhalten“. Auch wenn in wärmeren und sauerstoffreicheren flachen Küstengewässern der Verrottungsprozess möglicherweise schneller von Statten ging, so ist die, stichprobenweise Anfang der 70er Jahre am südlichen Kleinen Belt entnommene Probe, bei der 14 von 15 geborgenen Granaten vollständig korrodiert waren, keinesfalls repräsentativ. Ein weiteres Problem liegt darin, dass in manchen Gebieten Versenkungen teilweise bis in jüngste Zeit stattgefunden haben und dementsprechend der Korrosionszustand der Behältnisse stark differiert.

Eine eingehende Untersuchung des Korrosionszustandes der Behältnisse in allen Versenkungsgebieten ist daher unerlässlich!