Chemische Kampfstoffe aus medizinischer Sicht

 Augenreizstoffe sind: Chloracetophenon, Brombenzy-
zyanid und Bromaceton. Der Kontakt führt zu sofortigen starken Reizungen der Augenbindehaut mit sofortigem Tränenfluss sowie zu krampfbedingtem Lidschluß mit vorübergehender Behinderung der Sehfähigkeit. Bei hoher Konzentration kann es zur Entzündung und Quellung der Augenbindehaut oder zur Trübung der Hornhaut des Auges kommen.

Nasen- und Rachenreizstoffe sind: Clark I, Clark II ...
Der Kontakt führt zu akuten heftigen und schmerzhaften Reizungen der Augenbindehaut, der Nasenschleimhaut und des Rachenraums sowie zu starken krampfartigen Hustenanfällen mit Schleimabsonderung. Desweiteren treten Übelkeit, Brechreiz, Atemnot und Beklemmung auf. Bei hoher Konzentration kann es zu schweren Erkrankungen der Atemwege und der Lungen kommen (akutes, toxisches Lungenödem).

Lungenschädigende Kampfstoffe sind: Chlor, Phosgen ...
Die unmittelbaren Wirkungen sind: Reizung der Augenbindehaut und der Schleimhaut der oberen Atemwege, die Schädigung des Lungengewebes mit Atemstörungen. Zudem kommt es längerfristig zu Veränderungen der Blutzusammensetzung, des Kreislaufes und damit auch zur Schädigung anderer Organe. Bei hoher Konzentration von Chlor kann es zudem zu Hautrötungen und Entzündungen kommen; Chlorpikrin bewirkt darüberhinaus häufig Erbrechen. Bei hoher Konzentration von Phosgen führt die Zerstörung des Lungengewebes zu sofortigem Herzstillstand und damit fast augenblicklich zum Tod.

Haut- und schleimhautschädigenden Kamfstoffe sind: Lost ...

Es ist als Zell- und Kapillargift anzusehen. Die von ihm betroffenen Zellen verfallen einem siechtumartigen Zustand und schließlich dem völligen Gewebstod. Die Kapillaren werden gelähmt. Lost gefährdet in erster Linie die Haut, die Augen und alle zugänglichen Schleimhäute. Die Wirkungen des Kampfstoffes setzen meist erst Stunden nach dem Kontakt ein und äußern sich zunächst durch eine entzündliche Rötung der Haut, einhergehend mit leichten Schwellungen, wobei es zu schmerzhaftem Juckreiz bis hin zum Brennen der betroffenen Hautpartien kommt. Nach ein bis zwei Tagen bilden sich Blasen, die sich prall mit zunächst klarer, später aber trüber zellhaltiger Flüssigkeit füllen und oft wochenlang nicht heilen. Mit zunehmender Ausbreitung der Wunden kommt es zu Fieber, Magen-Darm-Krankheiten, Brechdurchfall, spastischen Verstopfungen mit erheblichem Gewichtsverlust, längerfristig zu Leberschädigungen. Bei Erkrankung des Auges kommt es zu Lichtsehen, Sandkornbildung, zu starker Bindehautentzündung, in schwereren Fällen auch zum vollständigen Verlust des Augenlichts. Im Bereich der Atemwege kommt es zu Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Atembeschwerden, Rötung und Schwellung, pseudomembranöse Auflagerungen im Bereich der Schleimhäute in Nase, Rachen und Kehlkopf. Diese können unter anderem zum Verschluss der Bronchien und damit zu Erstickungsanfällen führen. Lungenentzündung, Lungenödem und Lungengangrän können sich entwickeln. Daneben kommtes zu resorptiven Schäden die sich durch das Absinken der Zahl der weißen Blutkörperchen, in anderen Fällen durch hochgradige Leukopenie und toxische Granulierungen der Leukocyten äußern. Todesfälle treten oft erst nach Wochen auf. Die Wiederherstellung erfolgt meist erst nach Monaten.